Zwischen dem Intraoralscan und der ersten gefertigten Schiene liegt der Abschnitt der Aligner-Therapie, der über Vorhersagbarkeit, Behandlungsdauer und Korrekturbedarf entscheidet: die Behandlungsplanung. Dieser Beitrag beschreibt, wie ein professioneller Planungsworkflow aufgebaut ist, am Beispiel der Prozesse der CLARIQUE-Partner: der TP Solution GmbH (Behandlungsplanung, Köln) und unseres zertifizierten Fertigungspartners.

Auf einen Blick

  • Jeder Fall wird einzeln schriftlich beauftragt, mit Behandlungszielen und individuellen Präferenzen des Behandlers.
  • Die Planung übernehmen spezialisierte kieferorthopädische Zahntechniker; jeder fertige Plan wird vor der Freigabe persönlich besprochen.
  • Revisionen sind unbegrenzt; produziert wird erst nach ausdrücklicher Freigabe durch den Behandler.
  • Typische Zeiten: im Durchschnitt 10 Arbeitstage von Einreichung bis finaler Bestätigung (TP Solution); herstellerseitiger Erstentwurf in 24 bis 48 h, Fertigung in rund 5 Arbeitstagen, Versand in 4 bis 5 Tagen (Eigenangaben der Partner, Stand 08/2026).

Schritt 1: Datenübermittlung und Beauftragung

Am Anfang steht der Intraoralscan. Die STL-Datensätze werden zusammen mit Fotos und Befundangaben über die digitale Plattform des Herstellers übermittelt; zusätzliche Hardware oder ein Scannerwechsel sind dafür nicht erforderlich. Wesentlich ist, was mit den Daten mitgeliefert wird: Im Workflow von TP Solution wird jeder Fall einzeln schriftlich beauftragt, mit Patientenreferenz, definierten Behandlungszielen und gegebenenfalls fallbezogenen Abweichungen von den hinterlegten Präferenzen. Es gibt keine automatische Bearbeitung „aller eingehenden Fälle"; jede Planung beginnt mit einer expliziten klinischen Zielvorgabe des Behandlers.

Diesem Fallauftrag geht ein strukturiertes Onboarding voraus: Der Behandler hinterlegt einmalig seine klinischen Präferenzen, also Bewegungs- und Attachmentprotokolle, bevorzugte Konzepte und Grenzen. Ein persönliches Kennenlerngespräch mit dem zugeordneten Planungstechniker wird empfohlen, damit spätere Setups von Beginn an der Arbeitsweise der Praxis entsprechen.

Schritt 2: Planung durch kieferorthopädische Zahntechniker

Die eigentliche Setup-Arbeit übernimmt bei TP Solution ein fester, persönlicher Planungstechniker, ein auf Aligner-Orthodontie spezialisierter kieferorthopädischer Zahntechniker. Geplant wird dabei nicht in einem separaten Drittsystem, sondern direkt in der Setup-Software des jeweiligen Aligner-Herstellers, über einen vom Behandler eingerichteten Mitarbeiter-Zugang. Das hat zwei praktische Konsequenzen: Der Behandler sieht jederzeit den identischen Planungsstand im gewohnten System, und es entsteht kein Übertragungsverlust zwischen Planungs- und Bestellumgebung.

Der Techniker übernimmt zugleich die gesamte Kommunikation mit dem Hersteller-Labor, jene Hin-und-her-Schleifen, die in vielen Praxen die meiste Zeit kosten. Nach eigenen Angaben hat TP Solution seit der Gründung 2014 über 200.000 Behandlungspläne bearbeitet, mit ausdrücklicher Spezialisierung auf komplexe Fälle; kundenseitig wird im Durchschnitt eine um 30 Prozent geringere Refinement-Rate verzeichnet (Eigenangabe TP Solution, Stand 08/2026). Gemessen an Literaturwerten von 40 bis 60 Prozent Refinement-Anteil über alle Fallklassen ist das der Hebel, an dem sich Planungsqualität wirtschaftlich am deutlichsten zeigt.

Behandler prüft das digitale Setup am Tablet
Der Behandler sieht denselben Planungsstand wie der Techniker, im gewohnten System.

Schritt 3: Planbesprechung und unbegrenzte Revisionen

Erst wenn der Techniker das Setup selbst für vorhersehbar und passgenau hält, wird es dem Behandler vorgelegt, und zwar nicht als anonyme Systemnachricht, sondern als telefonische oder schriftliche Planbesprechung. Staging, Attachments, ASR-Verteilung und kritische Bewegungen werden durchgesprochen; Änderungswünsche fließen in eine Revision ein. Die Zahl der Korrekturschleifen ist dabei unbegrenzt: Der Plan wird so lange angepasst, bis der Behandler ihn vollständig mitträgt. Dieses Prinzip ist mehr als Servicekomfort: Es stellt sicher, dass die Freigabe eine echte klinische Entscheidung ist und kein Abnicken unter Zeitdruck.

Schritt 4: Freigabe durch den Behandler

Die Freigabe des Setups erfolgt ausschließlich durch den Behandler selbst, in der Software des Herstellers. Erst diese Bestätigung löst die Fertigung aus. Damit bleibt die Verantwortungskette eindeutig: Der Planungsdienstleister erstellt und optimiert das digitale Setup als zahntechnische Leistung, der Hersteller fertigt das freigegebene Setup als Sonderanfertigung; Diagnose, Indikation und Therapieentscheidung liegen zu jedem Zeitpunkt beim Behandler. Auf Herstellerseite prüfen bei unserem zertifizierten Fertigungspartner nach Unternehmensangaben zusätzlich über 40 angestellte Kieferorthopäden die eingehenden Fälle vor Fertigungsbeginn (Eigenangabe, Stand 08/2026).

Schritt 5: Fertigung, Lieferung, Behandlungsbegleitung

Nach der Freigabe übernimmt die Fertigung. Für die zeitliche Orientierung lassen sich die Eigenangaben der beiden Partner zusammenführen (Stand 08/2026):

ProzessschrittZuständigkeitTypische Dauer (Eigenangaben)
Herstellerseitiger Erstentwurf nach Fall-EinreichungFertigungspartner24 bis 48 Stunden
Vollständiger Planungsprozess inkl. Besprechung und Revisionen bis zur finalen BestätigungTP Solutionim Durchschnitt 10 Arbeitstage
Fertigung ab freigegebener DateiFertigungspartnerrund 5 Arbeitstage
Versand und ZustellungFertigungspartner4 bis 5 Tage

Die Werte sind als Durchschnitts- oder Regelangaben der Unternehmen zu verstehen; die tatsächliche Dauer variiert mit Fallkomplexität und Revisionsbedarf. Wichtig ist die Trennung der beiden Zeitachsen: Der schnelle herstellerseitige Erstentwurf binnen 24 bis 48 Stunden beschreibt den technischen Entwurf; die zehn Arbeitstage des Planungsservice umfassen dagegen den vollständigen klinischen Abstimmungsprozess bis zur belastbaren Freigabe, inklusive aller Korrekturschleifen.

Mit der Lieferung endet der Prozess nicht. Über die gesamte Behandlungsdauer bleibt der Planungspartner Ansprechpartner, bei Tracking-Problemen, Zwischenfällen oder der Frage, ob eine Mid-Course-Correction sinnvoll ist. Wird ein Refinement nötig, wird es im selben Workflow geplant, besprochen und freigegeben wie das Ausgangs-Setup. Abgerechnet wird die Planungsleistung als zahntechnische Fremdlaborleistung, gesammelt einmal monatlich.

Gefertigte Aligner auf dem Tray vor dem Versand
Nach der Freigabe: rund fünf Arbeitstage Fertigung, dann 4 bis 5 Tage Versand (Eigenangaben, Stand 08/2026).

Fazit

Professionelle Aligner-Behandlungsplanung ist kein einzelner Software-Export, sondern ein strukturierter Prozess mit klaren Verantwortlichkeiten: definierte Beauftragung, spezialisierte zahntechnische Planung, persönliche Besprechung, unbegrenzte Revisionen und eine Freigabe, die diesen Namen verdient. Für die Praxis bedeutet das planbare Abläufe und weniger Korrekturbedarf, ohne dass die Therapiehoheit die Praxis auch nur für einen Prozessschritt verlässt.

Redaktion CLARIQUE

Fachredaktion der Clarique Dental GmbH für zahnärztliche Fachkreise. Quellen, Evidenztyp und Stand stehen am Ende jedes Beitrags; Rückfragen an info@clarique.de.

Dieser Artikel in English: English version

Quellen

  1. TP Solution GmbH (Köln), Service-, Workflow- und Vertragsangaben auf tpsolution.com (über 200.000 Behandlungspläne seit 2014, im Durchschnitt 30 % geringere Refinement-Rate, im Durchschnitt 10 Arbeitstage bis Freigabe); Abruf August 2026; Eigenangabe des Unternehmens.
  2. Prozess- und Kapazitätsangaben des Fertigungspartners (Erstentwurf 24 bis 48 h, Fertigung rund 5 Arbeitstage, Versand 4 bis 5 Tage, Fallprüfung durch angestellte Kieferorthopäden), Stand 08/2026; Abruf August 2026; Herstellerangabe.
  3. Refinement-Raten von 40 bis 60 % über alle Fallklassen, zitiert in Fachpublikationen des Fertigungspartners, Stand 01/2026; Abruf August 2026; Branchenschätzung, keine Eigenerhebung von CLARIQUE.

Fachinformation für zahnärztliche Fachkreise im Sinne des § 2 HWG. Die Clarique Dental GmbH erbringt keine zahnheilkundlichen Leistungen und vermittelt keine Patienten; Diagnose, Aufklärung und Behandlung erfolgen ausschließlich durch Zahnärztinnen und Zahnärzte. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechts- oder Abrechnungsberatung.

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